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Thelma de Torres (Philippinen)














Im dunklen T-Shirt sitzt Thelma am Tisch mit ihren ehemaligen Klassenkameradienne von der St.-Mildred-Family. Sie berichtet aus ihrem Leben:

„Wie alle anderen Schützlinge auch, bin ich wahrlich nicht mit einem silbernen Löffel im Mund geboren. Ich war ein armes Mädchen, aber entschlossen, dies zu ändern. Mein Vater arbeitet als ein Landarbeiter. Er hatte bereits 14 Kinder mit seiner ersten Frau, bevor er meine Mutter kennenlernte und ich geboren wurde.“

Die Eltern waren fleißig, lebten aber meist von der Hand in den Mund. Und so musste Thelma bereits als Grundschülerin arbeiten.

Das Geld für meine Schulbücher und Hefte musste ich mir selber verdienen. So schuftete ich mit meinem Vater zusammen auf den Feldern. Das machte mich körperlich stark. Mein Wille, dort herauszukommen wurde auf diesen Feldern gefestigt. Manchmal sammelte ich Kokosnüsse oder Bananen und verkaufte sie auf dem Markt. An anderen Tagen hütete ich die Kühe oder Schweine eines Bauern. Unser Wasser holten wir von einem entfernten Brunnen. Wir Kinder hatten nur einmal am Tag etwas zu essen. Meist gab es nur gekochten Reis, den wir manchmal mit Suppen oder Saucen aus der Schul-Cafeteria würzen konnten. Es waren harte Jahre, aber sie haben mich trotzdem gut auf mein weiteres Leben vorbereitet.“

Nach der Grundschule kam sie dann zu den Schwestern:

Als ich in der Mädchenschule einen Platz bekam, änderte sich mein Leben von Grund auf. Die Schwestern Maria sind ganz wunderbare Menschen, sie sind freundlich und gütig. Von ihnen habe ich gelernt, dass es richtig ist, ehrlich, demütig und zugleich couragiert zu sein. Die Schule bietet ein gutes Gleichgewicht zwischen Unterricht, praktischer Ausbildung, Gebet und Spiel. Ich bin so dankbar, unter der Anleitung der Schwestern gestanden zu haben. So wurde ich in jungen Jahren geformt und konnte mich zu dem entwickeln, was ich heute bin.“

Doch ihr Weg nach dem Abschluss bei den Schwestern war nicht einfach. Wollte die Familie sie doch gerne umgehend verheiratet sehen. Aber Thelma bewarb sich für ein Stipendium, um an einem College studieren zu können. Ihr Traum wurde wahr:

Meinen Bachelor-Abschluß in Industrie-Technik habe ich mit Auszeichnung bestanden und arbeite derzeit als Systemadministratorin in einem Verlag. Meist bin ich sechs Tage in der Woche im Büro und überwache das Netzwerk, die Computer und die Websites der Firma. Ich bin nicht reich, aber es geht mir wirklich gut. Drei Mahlzeiten am Tag und eine kleine Mitwohnung kann ich mir leisten. Auch meinen Geschwistern kann ich unter die Arme greifen. Nie werde ich vergessen, dass dies alles auch Dank der Schwestern möglich geworden ist.“